Wenn man die reinen Tatsachen betrachtet ist der Skoda Scala weder ein besonders wichtiges, noch ein besonders aufregendes Auto. Er ist kein SUV, deren Verkaufszahlen verglichen zu Limousinen und Kombis regelrecht durch die Decke gehen und es gibt den neuen Skoda auch nicht als Hybrid und schon gar nicht rein elektrisch. Selbst eine Sportvariante ist nicht geplant also hält sich das Interesse der Benzinbrüder ebenfalls in Grenzen.
Wenn es also ums Polarisieren geht, hat der Scala keine guten Karten und hätte in so manchen Automagazinen nur eine Randnotiz verdient.

Warum der Scala dennoch eines der besten Autos des Jahres ist, wird jeder der diesen Bericht zu ende liest, verstehen.

Der Preis – das vermutlich wichtigste Thema beim Autokauf. Autos werden immer mehr auf Funktionsumfang der Sonderausstattungen und Konnektivität reduziert – fahrende Alleskönner bei denen es kaum mehr darauf ankommt welches Triebwerk unter der Haube sitzt sondern nur mehr wie bequem man Musik auf dem Radio abspielen kann. Diesen Trend haben die Hersteller natürlich nicht verschlafen und daher lässt sich eine Basis Mercedes A-Klasse spielend leicht auf € 50.000,– oder mehr hochkonfigurieren. Da muss die Liebe sehr groß sein um bei der Vertragsunterzeichnung nicht einmal mit der Braue zu zucken.

Und dann gibt es den Scala – für nichteinmal € 24.000,– gibt es 150 PS, Automatik, LED-Scheinwerfer, Keyless, Parksensoren vorne + hinten, 5 Jahre Garantie und ein beheiztes Lenkrad. Mehr braucht man nicht – wer den 115 PS Motor ohne Automatik nimmt, steigt sogar unter € 20.000,– aus. Das klingt nach einem fairen Deal aber es geht noch weiter….

Für mich – der erste richtig schöne Skoda!

Über die Schönheit eines Autos zu Schreiben ist immer heikel – schließlich fand der Fiat Multipla auch einige Käufer obwohl man sich jetzt, 15 Jahre später, immer noch lustig darüber macht. Aber da ich in diesem Artikel einen Monolog führe und mir niemand wiedersprechen kann muss folgendes gesagt werden: Der Scala ist der erste schöne Skoda! Eine schöne Form, ein eigenständiges Gesicht und das Heck wirkt erstmalig nicht wie vom Praktikanten gezeichnet sondern als hätte sich dabei wirklich jemand Gedanken darüber gemacht, wie der Wagen von hinten aussieht. Eine schöne Form geht meist auf Kosten der Platzverhältnisse im Innenraum – nicht im Scala. Klar, der Scala ist kein riesen Kombi, aber im Innenraum wird man selbst mit 1,95m am Fahrersitz nicht zum Klaustrophobiker.

 

Der Innenraum ist für eine weitere Überraschung gut. Die Verarbeitungsqualität ist auf einem neuen Niveau angelangt – geschäumte Materialen, so weit das Auge reicht, anständige Sitze mit Alcantara/Stoff-Kombination und eine überragende Dämmung. Das Ambiente, des wesentlich teurerer VW T-Roc wirkt dagegen wie ein Baustellen-Klo in Hartplastik-Landschaft. Auch die Integration der Lüftungsdüsen und des Infotainment samt Induktionsschale fürs Smartphone sind viel stimmiger als beim teureren Plattform-Bruder.

Die Interieur-Qualität liegt 5 Klassen über jener des VW T-Roc!

Ach ja, eines war da noch – der Fahreindruck.

Verglichen mit seinem Vorgänger, dem Rapid, ist der Scala nicht aus alten VW-Teilen zusammengeschustert, sondern basiert auf der Konzernplattform MQB-A auf der auch der Seat Arona und der Audi A1 bauen, welche eine dramatische Verbesserung des Fahrkomfort mit sich gebracht hat. Kein Wunder, dass Skoda dem neuen Modell ebenfalls einen neuen Namen verpasst haben, denn die Verwandtschaft beruht nicht auf einer Blutlinie sondern ist angeheiratet.

Eine Sänfte ist der Scala nicht, da der Trend zu immer sportlicheren Fahrwerken auch in Tschechien angekommen ist, aber verglichen mit dem Rapid, der sich auf Kopfsteinpflaster eher wie eine Pferdekutsche fuhr, hat der Scala die Bezeichnung schon verdient.

Für wen ist der Scala gedacht?

Ein Auto für alle – wenn man es aus dieser Perspektive betrachtet ein echter „Volkswagen“ – leistbar, gut ausgestattet und nett anzusehen. Für mich ist der Scala eindeutig, eines der besten Gesamtpakete dieses Jahres und da er kein SUV ist, gibt’s die doppelte Empfehlung oben drauf.